Private bzw. Community Sponsorship

Kurzzusammenfassung
Private Sponsorship Programme (auch Community Sponsorship) ermöglichen es Privatpersonen, Organisationen, Gemeinden oder Unternehmen, die Aufnahme von Geflüchteten durch finanzielle und ideelle Unterstützung aktiv mitzugestalten. Solche Programme bestehen in Ländern wie Kanada bereits seit vielen Jahren und sind je nach nationalem Kontext unterschiedlich ausgestaltet. Sie eröffnen Schutzbedürftigen zusätzliche sichere Zugangswege in aufnahmebereite Staaten. Durch den direkten Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft von Beginn an wird zudem die Integration erleichtert und gefördert.
Aktueller Stand
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- Mit der Aussetzung der Resettlement-Einreisen im Mai 2025 konnten zunächst keine weiteren Einreisen über das Programm ermöglicht werden. Ein geplanter Flug aus Kenia am 8. Mai 2025 wurde kurzfristig abgesagt. Nach erfolgreichen Gerichtsverfahren wurde der Flug im Dezember 2025 nachgeholt.
- Eine Petition zur Fortsetzung des Resettlement-Programms fand über 95.000 Unterzeichner_innen:
Resettlement sichern – Flüchtlinge retten | WeAct.
Allgemeine Erläuterung
Private Sponsorship Programme (oder Community Sponsorship) sind eine weitere Form der Aufnahmeprogramme. Über diese Programme können Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, Gemeinden, Privatpersonen oder andere Gruppen die Aufnahme von Schutzsuchenden finanziell und/oder ideell als Mentor_innen unterstützen. Community Sponsorship Programme existieren in verschiedenen Ländern wie z.B. Kanada schon seit vielen Jahren. Die Ausgestaltung der Programme ist abhängig vom nationalen Kontext und der Rechtslage.
Durch Private Sponsorship Programme kann Schutzbedürftigen ein zusätzlicher sicherer Zugangsweg in einen aufnahmebereiten Drittstaat eröffnet werden. Die Schutzsuchenden kommen sofort in Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft, dadurch kann der Integrationsprozess positiv beeinflusst werden. Durch Private Sponsorship Programme können Geflüchtete zusätzlich zu staatlichen Resettlement-Programmen aufgenommen werden.1
Neustart im Team – das deutsche Community Sponsorship-Programm
2019 wurde in Deutschland die Möglichkeit zur privat finanzierten Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Geflüchteten geschaffen. Das Pilotprojekt „Neustart im Team“ (NesT) wurde damals vom Bund gemeinsam mit dem UNHCR und verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren erarbeitet. Ab dem Jahr 2023 wurde es als reguläres Aufnahmeprogramm des Bundes verstetigt. Das NesT-Programm ist das erste und bislang einzige Community Sponsorship Programm im Bereich der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland. Es ermöglichte die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Geflüchteter unterschiedlicher Staatsangehörigkeit oder staatenloser Geflüchteter insbesondere aus Ägypten, Jordanien, Kenia, Libanon, Libyen und Pakistan.2
Weitere Informationen zu NesT finden Sie hier:
Informationsbroschüre zum Programm Neustart im Team

Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft
Verantwortlich für das Programm waren das BMI, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (IntB) und das BAMF. Ziel des Programms „Neustart im Team (NesT) – staatlich-gesellschaftliches Aufnahmeprogramm für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ war es, privates Engagement finanziell und ideell mit dem Aufnahmeprogramm des Bundes zu verbinden, um legale und sichere Zugangswege nach Deutschland auszubauen.
Zur Umsetzung des Programms wurde eine „Zivilgesellschaftliche Kontaktstelle“ (ZKS) eingerichtet, die den Mentor_innen als Anlaufstelle diente. Die ZKS wurde getragen vom Deutschen Caritasverband, dem Deutschen Roten Kreuz und der Evangelischen Kirche von Westfalen. Ihre Aufgabe war es, bundesweit über das Programm zu informieren, Mentor_innen durch den gesamten Prozess zu begleiten und zu beraten, Schulungsangebote zu organisieren sowie bei der Suche nach örtlichen Unterstützungsmöglichkeiten zu helfen.
Voraussetzungen und Rechtsgrundlagen
Die über das NesT-Programm aufgenommenen Geflüchtete erhalten eine Aufenthaltserlaubnis nach § 23 Abs. 4 AufenthG. Sie sind damit den über Resettlement eingereisten Personen gleichgestellt und werden auf Grundlage der gleichen Kriterien von UNHCR in den Drittstaaten ausgewählt.3 Das BAMF nimmt im Rahmen von NesT ein „Matching“ vor, das heißt, die Schutzsuchenden werden ausgewählten Mentoring-Gruppen zugeordnet. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass sich eine Mentoring-Gruppe von mindestens vier Personen zusammenfindet, welche die Geflüchteten finanziell, organisatorisch und ideell unterstützt.4 Die Gruppe verpflichtet sich, eine Wohnung zu suchen und die Finanzierung dieser Wohnung (Nettokaltmiete) für ein Jahr sicherzustellen. Außerdem unterstützt sie die Geflüchteten ein Jahr lang beim Einleben und auf ihrem Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Der „Neustart im Team“ mit einer Mentoring-Gruppe in Paderborn
Seit 2021 unterstützt die fünfköpfige Mentoren-Gruppe des SC Aleviten Paderborn eine Mutter und ihre vier Kinder. Die Familie war vor dem Krieg in Somalia geflohen. Danach lebte sie 11 Jahre lang im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia, bevor sie für das NesT-Programm ausgewählt wurden. Im Vorfeld ihrer Ankunft in Deutschland hat die Mentoring-Gruppe eine Wohnung für die somalische Familie angemietet und sie liebevoll eingerichtet. „Wir haben alles besorgt, was man für eine Wohnungsausstattung braucht – Möbel, Töpfe, Geschirr usw. und den Kühlschrank haben wir auch gefüllt. Die einen haben aufgebaut, die anderen haben dekoriert. Wir wollten, dass sich die Familie von Anfang an in Paderborn und mit uns wohlfühlt.“, erzählt Mentorin Angela Kartum.
