Privat unterstützte Flüchtlingsaufnahme in Europa – aktuelle Entwicklungen

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Zivilgesellschaftliches Engagement für Flüchtlingsaufnahme

In den letzten Jahrzehnten sind in verschiedenen europäischen Ländern Initiativen und Programme entstanden, über die zivilgesellschaftliche Akteure sich unmittelbar für die Aufnahme geflüchteter Menschen auf sicheren und legalen Wegen einsetzen können.

Der Staat schafft dabei die rechtlichen Rahmenbedingungen, während die Zivilgesellschaft finanzielle und ideelle Unterstützung für die Ankommenden leistet. Diese Programme werden oft als Community-Sponsorship-Programme bezeichnet und sollen eine Ergänzung zu rein staatlichen Programmen bieten und damit sichere und legale Wege für Geflüchtete ausweiten. Gleichzeitig räumen sie der Zivilgesellschaft größere Handlungsspielräume in der Flüchtlingsaufnahme ein und legen einen Fokus auf das „community welcome“ – welches den Ankommenden bessere Teilhabechancen ermöglichen soll.

Europäische Community-Sponsorship Programme

Nachdem das kanadische Programm über viele Jahre das einzige Programm dieser Art war, richtete Italien 2015 die sogenannten humanitären Korridore ein. Menschen die von Hilfsorganisationen als vulnerabel identifiziert wurden, können hierbei über humanitäre Visa nach Italien einreisen und einen Asylantrag stellen. Flug, Unterkunft und Versorgung für die Personen werden durch die Zivilgesellschaft getragen. Belgien und Frankreich folgten 2017 dem italienischen Beispiel und etablierten eigene humanitäre Korridore.

Andere Länder etablierten Community-Sponsorship Programme, die auf dem Resettlement basieren und bei denen ehrenamtliche Sponsorengruppen die Einreisenden ideell und zum Teil auch finanziell unterstützen. Das Vereinigte Königreich rief sein Programm 2016 ins Leben, es folgten Irland 2018, Spanien und Deutschland 2019 und schließlich Belgien 2020 und Portugal 2022.

Ein gemeinsamer europäischer Lernprozess

In ihrer Entstehungsphase mussten viele neu aufgesetzte Programme zunächst herausfinden, wie das Prinzip des „Community Sponsorship“ im rechtlichen und gesellschaftlichen Kontext ihres jeweiligen Landes gut funktionieren kann. Hierzu gab es auf europäischer Ebene Austauschformate, bei denen verschiedene Länder voneinander lernen konnten, wie Organisationen und Privatpersonen zur Teilnahme motiviert werden können, welche Unterstützung sie benötigen und wie die Perspektive von Menschen mit eigener Fluchterfahrung eingebunden werden kann, um die Programme zu verbessern.

Auch die Asylagentur der Europäischen Union und die Kommission haben sich daran beteiligt, Community Sponsorship Programme in der EU zu fördern. So hat EU-Asylagentur in einem längeren Konsultationsprozess Leitlinien entwickelt, die für die Etablierung neuer Programme als Grundlage dienen können.

Programme in Belgien, Deutschland und Portugal derzeit ausgesetzt

Während einige neue Programme entstanden sind, haben Belgien und Deutschland ihre Programme 2025 im Zusammenhang mit der Aussetzung des staatlichen Resettlement-Programms zunächst eingestellt. Das portugiesische Programm wurde 2025 ausgesetzt.

Gemeinschaftliche Aufnahme als Erfolgsmodell

Auch wenn die Implementierung der Programme mit verschiedenen Herausforderungen verbunden ist und von politischen Entscheidungen abhängt, so gibt es gute Beispiele, die zeigen, wie die von einer lokalen Gemeinschaft unterstützte Aufnahme sowohl für die Geflüchteten als auch die aufnehmenden Gemeinschaften gewinnbringend sein kann. Aus diesem Grund gibt es Überlegungen, wie das Prinzip der „Mentoring-Gruppen“ aus der Aufnahmegesellschaft auch auf anderen legale Zugangswege übertragen werden kann, um Integration und Teilhabe zu unterstützen. So gibt es beispielsweise Programme, über die geflüchtete Personen für eine Studium nach Europa kommen können. Irland, Belgien, Frankreich und Italien haben diese in den vergangenen Jahren implementiert und auch in Deutschland gibt es Programme, die den Zugang für ein Studium ermöglichen und Mentoring als unterstützendes Instrument nutzen.

Die European Sponsorship Convention

Am 5. Juni 2026 brachte die European Sponsorship Convention in Brüssel Akteurinnen und Akteure im Bereich von Community Sponsorship in Europa zusammen. Im Fokus stand, wie diese Programme in Zeiten von Abschottung und Spaltung positive Signale von Solidarität, Gemeinschaft und Chancen senden  und aufzeigen können, wie Aufnahme gut gelingen kann. Wenn es Community Sponsorship Programmen gelingt, verschiedenste gesellschaftliche Akteure in die Aufnahme von Flüchtlingen einzubinden, so kann gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt und ein Umfeld geschaffen werden, in dem Menschen, die neu ankommen, Chancen finden und Teil der Gemeinschaft werden.

Menschen mit eigenen Fluchterfahrungen dabei als Expertinnen einzubinden, ist wichtig und sinnvoll. Sie wissen, was es bedeutet, in einem Land neu anzufangen und können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Programme bedarfsgerecht auszugestalten. Herausforderungen und Empfehlungen für die wirksame Partizipation von Geflüchteten wurden in diesem Report veröffentlicht.