UNHCR schätzt: 2.4 Millionen Flüchtlinge benötigen im Jahr 2027 Resettlement

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Jährlicher Bericht des UNHCR veröffentlicht

Seit 75 Jahren setzt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gemeinsam mit Staaten und Partnerorganisationen auf Resettlement als einen wichtigen internationalen Schutzmechanismus. Für viele Menschen ist die Neuansiedlung in einem Drittstaat die einzige Möglichkeit, Sicherheit und eine dauerhafte Perspektive zu finden. Resettlement ermöglicht besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen einen Neuanfang in Sicherheit und trägt zugleich zur internationalen Verantwortungsteilung bei, indem es Erstaufnahmeländer entlastet.

Der jährlich erscheinende Bericht Projected Global Resettlement Needs zeigt auf, wo weltweit der Bedarf an Resettlement am größten ist und welchen Risiken Flüchtlinge in ihren Aufnahmeländern ausgesetzt sind. Er analysiert die regionalen Entwicklungen und beleuchtet, welche Rolle Resettlement und ergänzende Zugangswege zu Schutz und dauerhaften Lösungen im internationalen Flüchtlingsschutz spielen.

2.4 Millionen Flüchtlinge benötigen im Jahr 2027 weltweit Resettlement

Der UNHCR schätzt, dass 2027 voraussichtlich 2.4 Millionen Flüchtlinge weltweit Resettlement benötigen. Damit ist der Bedarf gegenüber den Jahren 2025 (2.9 Mio) und 2026 (2.5 Mio) leicht zurückgegangen. Doch weiterhin übersteigt der prognostizierte Bedarf an Neuansiedlungsplätzen bei Weitem die verfügbaren Möglichkeiten.

Der Bedarf bleibt hoch – Aufnahmeplätze werden weniger

Trotz des anhaltend hohen Bedarfs gehen die verfügbaren Resettlement-Plätze zurück. Sie hängen maßgeblich von der Bereitschaft von Staaten ab, diese Plätze bereitzustellen. Aufgrund veränderter innenpolitischer Lagen, haben einige Länder jedoch ihre Resettlement-Programme in den letzten Jahren pausiert oder verkleinert.

Nachdem im Jahr 2024 weltweit mehr als 116.000 Flüchtlinge durch Resettlement ausreisen konnten – ein historischer Höchststand – hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Durch die Aussetzung des Beitrags der USA zu den Resettlement Plätzen, sank die Zahl verfügbarer Plätze 2025 auf 30.000 Plätze und schließlich für 2026 auf nur noch rund 20.000 Plätze. Das entspricht weniger als einem Prozent des globalen Bedarfs.

Gepaart mit dem Rückgang der Finanzierung für humanitäre Hilfe finden sich Flüchtlinge in zunehmend prekären Situationen, in denen auch UNHCR und andere Hilfsorganisationen vor Ort nur noch mit eingeschränkten Kapazitäten Unterstützung leisten können.

Unter diesen schwierigen Bedingungen reichte UNHCR im Jahr 2025 dennoch fast 35.000 Resettlement-Anträge ein und konzentrierte sich dabei auf Menschen mit besonders hohem Schutzbedarf.

Darstellung: Entwicklung der Resettlement Bedarfe und tatsächlichen Aufnahmen zwischen 2016-2025

Quelle: UNHCR, Projected Resettlement Needs 2027

Der Bedarf an Resettlement entwickelt sich 2027 regional sehr unterschiedlich. Während die Zahlen für einige Bevölkerungsgruppen zurückgehen, steigt der Bedarf in anderen Krisenregionen deutlich an.

Afghan_innen im Jahr 2027 die Bevölkerungsgruppe mit dem weltweit höchsten Neuansiedlungsbedarf

Der Resettlement Bedarf afghanischer Flüchtlinge im Iran und in Pakistan ist gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Dies ist jedoch nicht auf verbesserte Schutzbedingungen zurückzuführen, sondern vor allem auf Abschiebungen und Rückführungen nach Afghanistan, die zu einem Rückgang der Flüchtlingsbevölkerung im Iran und in Pakistan geführt haben. Trotz dieses Rückgangs bleiben Afghan_innen im Jahr 2027 die Bevölkerungsgruppe mit dem weltweit höchsten Neuansiedlungsbedarf, da sich über 2,9 Millionen afghanische Flüchtlinge und Afghan_innen in flüchtlingsähnlichen Situationen im Iran und in Pakistan befinden. Afghanistan selbst ist weiterhin mit einer schwerwiegenden humanitären Notlage, einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und weitreichenden Menschenrechtsproblemen konfrontiert. Die aktuellen Kampfhandlungen im Nahen Osten haben die humanitäre Lage in der gesamten Region weiter verschlechtert.

Leicht gesunkener Resettlement Bedarf bei syrischen Flüchtlingen

Auch bei syrischen Flüchtlingen im Nahen Osten und in der Türkei sinkt der prognostizierte Neuansiedlungsbedarf. Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 haben Rückkehrbewegungen nach Syrien zugenommen. Dennoch bleibt Resettlement für besonders gefährdete Menschen wichtig, da viele Syrer_innen aufgrund von Sicherheits-, Rechts- und Existenzsorgen nicht kurzfristig zurückkehren können. Die Türkei, die über 2.5 Millionen Flüchtlinge beherbergt, darunter ca. 2.3 Millionen Syrer_innen, zählt weiterhin zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Resettlement Bedarf.

Venezolaner_innen in Amerika trotz leichtem Absinken weiterhin mit hohem Resettlement-Bedarf

Bei den Venezolaner_innen, die internationalen Schutz benötigen, ist ein leichter Rückgang des prognostizierten Neuansiedlungsbedarfs um 2 Prozent zu verzeichnen, doch sie zählen weiterhin zu den Top 10 der Herkunftsländer mit dem höchsten Bedarf (insgesamt auf Platz neun).

Konflikte führen zu Vertreibungskrise in Ostafrika und dem südlichen Afrika

Die anhaltende Gewalt im Sudan hat zu einer der schwersten Vertreibungskrisen weltweit geführt. Seit April 2023 wurden infolge des Konflikts mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende registriert. Auch die Zahl der südsudanesischen Flüchtlinge bleibt hoch: Seit 2017 liegt sie bei über zwei Millionen.

Es wird davon ausgegangen, dass der Resettlement Bedarf aufgrund der anhaltenden konfliktbedingten Unsicherheit erheblich steigen wird, insbesondere in Amhara, Tigray und Gambella, wo die Gewaltgefahr zugenommen hat und Kürzungen der humanitären Hilfe die Lebensmittelrationen sowie die finanzielle Unterstützung beeinträchtigen. In ganz Ost- und Südafrika steigt der Neuansiedlungsbedarf für Flüchtlinge aus dem Südsudan, dem Sudan, Eritrea und Somalia. Auch kongolesische Flüchtlinge gehören weiterhin zu den Bevölkerungsgruppen mit hohem Bedarf (weltweit an sechster Stelle).

Die Region verzeichnet damit 2027 den höchsten prognostizierten Resettlement Bedarf, wobei Äthiopien (weltweit an erster Stelle) und Uganda (an dritter Stelle) einen besonders hohen Bedarf melden. Äthiopien beherbergt derzeit 1,1 Millionen Flüchtlinge, vor allem aus dem Südsudan, Somalia, Eritrea und dem Sudan.

Verdoppelung des Resettlement Bedarfs in West- und Zentralafrika

Die Region verzeichnet den größten prozentualen Anstieg des Resettlement Bedarfs – um fast 50 Prozent. Als Aufnahmeland für Flüchtlinge aus dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik entwickelt sich der Tschad zum Land mit dem größten Resettlement-Bedarf in der Region.

Asien und Pazifik – Bedarf für Rohingya Flüchtlinge aus Myanmar steigt leicht an

Während der prognostizierte Bedarf für Afghan_innen zurückgeht, steigt er für Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar leicht an, wodurch diese Bevölkerungsgruppe weltweit den fünftgrößten Bedarf aufweist. Pakistan, Bangladesch und Iran rangieren weltweit auf den Plätzen vier, fünf und sechs der Aufnahmeländer mit dem höchsten prognostizierten Neuansiedlungsbedarf im Jahr 2027.

Herkunftsländer und Erstzufluchtsstaaten mit den weltweit höchsten Resettlement-Bedarfen

Die Grafik des UNHCR zeigt, in welchen Erstzufluchtsstaaten (countries of asylum) sich die größten Flüchtlingsgruppen befinden, die Resettlement benötigen – Äthiopien, die Türkei und Uganda führen die Liste an. Die Herkunftsstaaten (countries of origin) aus denen die meisten Flüchtlinge Resettlement benötigen sind Afghanistan, Südsudan und der Sudan.

Darstellung der Resettlement Bedarfe nach Region, nach Erstzufluchtsstaat und nach Herkunftsstaat

Quelle: UNHCR, Projected Resettlement Needs 2027

Warum Menschen Resettlement benötigen

Menschen benötigen Resettlement, wenn sie in ihrem Erstaufnahmeland weiterhin erheblichen Gefahren ausgesetzt sind und weder eine sichere Rückkehr in ihr Herkunftsland noch eine dauerhafte Integration vor Ort möglich ist. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen, die Gewalt erfahren haben, unbegleitete Minderjährige, Überlebende von Folter sowie Menschen mit akuten rechtlichen oder physischen Schutzbedarfen.

Resettlement als Ausdruck internationaler Solidarität

Resettlement schützt nicht nur einzelne Menschenleben. Es entlastet auch Erstaufnahmeländer, die häufig seit Jahren große Flüchtlingspopulationen beherbergen und trägt zu einer gerechteren internationalen Verantwortungsteilung bei.

Der aktuelle Bericht macht deutlich, dass Resettlement gerade in Zeiten zunehmender globaler Krisen unverzichtbar bleibt. Ohne ausreichende Aufnahmezusagen drohen Schutzlücken für besonders gefährdete Flüchtlinge. Gleichzeitig geraten die Aufnahmesysteme vieler Erstzufluchtsländer weiter unter Druck. Die Zahlen des UNHCR zeigen: Der Bedarf an Resettlement bleibt enorm. Damit Menschen, die weder sicher zurückkehren noch vor Ort Schutz finden können, eine Zukunftsperspektive erhalten, braucht es ein dauerhaftes und verlässliches Engagement der internationalen Gemeinschaft.

Den vollständigen Bericht auf Englisch finden Sie hier: Projected global resettlement needs 2027 | UNHCR

So funktioniert Resettlement nach Deutschland