Großbritannien öffnet sein Resettlement-Programm wieder

Großbritannien nimmt wieder besonders schutzbedürftige Flüchtlinge über das staatliche Resettlement-Programm auf. Das UK Resettlement Scheme (UKRS) wurde Ende September 2026 für neue Vorschläge geöffnet, nachdem seit Dezember 2024 keine neuen Aufnahmen mehr erfolgt waren. Die ersten Ankünfte von Flüchtlingen mit besonderen Schutzbedarfen werden noch für dieses Jahr erwartet.
Nach Angaben der britischen Regierung erfolgt die Wiederaufnahme des Programms in Zusammenarbeit mit dem UNHCR sowie dem International Refugee Assistance Project (IRAP), die Flüchtlinge mit besonderen Schutzbedarfen für die Aufnahme identifizieren. Rund ein Viertel der vorgeschlagenen Personen sollen afghanische Frauen und Mädchen sowie palästinensische Flüchtlinge sein.
Drei zusätzliche neue Aufnahmewege über Community-Sponsorship geplant
Zusätzlich zum staatlichen Resettlement-Programm plant Großbritannien drei weitere Zugangswege, die auf dem Prinzip des Community Sponsorship beruhen. Künftig sollen Ehrenamtliche und gemeinnützige Organisationen, Hochschulen und Unternehmen Flüchtlinge aufnehmen und bei ihrer Integration unterstützen können. Die Sponsor_innen sorgen für Wohnraum und unterstützen die Eingereisten bei der Integration und Teilhabe und entlasten damit die aufnehmenden Kommunen.
Die ersten Aufnahmen über die Gemeinde- und Hochschulprogramme werden im Herbst 2027 erwartet. Die Bewerbungen für Unternehmen sollen im Frühjahr 2027 eröffnet werden.
Die Regierung argumentiert, dass Community-Sponsorship Modelle sich stärker an den lokalen Kapazitäten zur Aufnahme und Unterstützung orientieren können und lokalen Akteur_innen sowie Ehrenamtlichen größere Einflussmöglichkeiten einräumen.
Wachsende Zahl von Aufnahmen vorgesehen
Die britische Regierung rechnet zunächst mit Aufnahmen im niedrigen dreistelligen Bereich über diese vier legalen Zugangswege. Mittelfristig könnte die Zahl auf mehrere Tausend Personen pro Jahr steigen. Allerdings bringt das Innenministerium die möglichen Aufnahmezahlen in einen direkten Zusammenhand mit einem Rückgang irregulärer Einreisen in das Vereinigte Königreich. Es will jeweils eine jährliche Obergrenze für die Aufnahmeprogramme festlegen.
Auch erhalten Personen, die über diese legalen Aufnahmewege nach Großbritannien kommen, eine Perspektive auf eine dauerhafte Niederlassung innerhalb von fünf Jahren. Diese Regelung ist bewusst großzügiger ausgestaltet als für Menschen, die über irreguläre Wegen einreisen. Die Regierung verfolgt damit nach eigener Aussage das Ziel, von irregulären Einreisewegen abzuschrecken und stattdessen begrenzte, sichere und legale Zugangswege zu fördern.
Während die Ausweitung sicherer Wege zum Schutz zu begrüßen ist, sollte die Etablierung dieser allerdings nicht genutzt werden, um die Schutzstandards für Personen, die auf anderen Wegen Asyl suchen, zu senken.
Bereitgestellte Resettlement Plätze weltweit noch deutlich unter dem Bedarf
Der weltweite Resettlement-Bedarf ist anhaltend hoch. Nach Angaben des UNHCR benötigen 2027 rund 2,4 Millionen Flüchtlinge eine Neuansiedlung in einem Drittstaat. Gleichzeitig wurden in den letzten Jahren immer weniger Aufnahmeplätze bereitgestellt. Der Ausstieg der USA aus den Resettlement-Programmen schlug sich hier stark nieder, aber auch die Beiträge der EU-Mitgliedsstaaten fielen für die Jahre 2026-2027 deutlich niedriger aus, als erwartet. Zu den wichtigsten Resettlement-Staaten außerhalb der EU zählen unter anderem Kanada, Australien, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz und nun auch wieder das Vereinigte Königreich.